19.08.2010: Kapitalistische Vergesellschaftung und nationalistische Ideologie

- 19.08.2010; 19.00 Uhr; Carl-Zeiss-Straße 3 Hörsaal 7 -

Der Vortrag befasst sich im ersten Teil mit einigen Thesen, die um das Verhältnis kapitalistischer Gesellschaft, Staat, Krise und nationalistischer Ideologiebildung kreisen. Sie werden erörtern, ob und in wieweit es einen deutschen Sonderweg gibt, was es heißt, von einem deutschen Kapitalismus zu sprechen, was diesen auszeichnet und was das deutsche Modell heute so attraktiv macht für historische Nachzügler kapitalistischer Entwicklung. Dabei wird auch zur Sprache kommen, was in Deutschland „Krise“ bedeutet und wie sich eine radikale Linke, die diesem Begriff gerecht werden will, zu einer solchen Krise zu verhalten hat.
Der zweite Teil diskutiert systematisch das Verhältnis von kapitalistischer Gesellschaft, dem Staat und der Ideologiebildung im Rahmen einer als Krisengeschichte verstandenen kapitalistischen Gesellschaft.
Dabei wird die marxsche Kritik an Wert, abstrakter Arbeit und der Warenförmigkeit der Produkte erläutert und dargelegt, wieso dazu auch die Individuen durch den Staat in die Form des Subjekts gebracht werden mussten. Die marxsche Kritik war zwar im speziellen eine Kritik des liberalen Kapitalismus, die aber dabei im Allgemeinen auch auf die totalitäre Tendenz dieser Gesellschaft abzielte. So wie der Nazifaschismus bereits im frühen Kapitalismus in Keimform angelegt war, so kann bereits auch die marxsche Kritik als vorauseilende Kritik am Nazifaschismus gelesen werden.

Flyer Martin Dornis